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Haarige Angelegenheit

Updated: May 1

Wenn deine Haare deine Story erzählen könnten, was würden sie berichten? Würden sie von deinen Strapazen in der Jugend erzählen? Oder vielleicht reicht ihre Länge nur zurück bis zum letzten Friseurbesuch? Egal wie, Haare sind seit Tausenden Jahren ein Kultur-Spektakel sondergleichen. Wie die Mode, so wechselten auch Frisurentrends über die Jahrhunderte und zuletzt sogar Jahrzehnte hinweg. Es ist spannend zu sehen wofür Haare alles stehen konnten und können; etwa den Sozialen Status im antiken Agypten, die Zugehörigkeit zu einem afrikanischen Stamm (teilweise heute noch!), die politische Gesinnung im 20. Jh. oder ein bestimmtes Lebensereignis vielerorts wie zum Beispiel eine Hochzeit.


Dazu passend gibt es drei Geschichten von besonders haarigen Gesell|innen, und weil Rapunzel allgemein bekannt ist hab ich andere Haar-Fans herausgesucht, die mir gut gefallen haben.



JAMAIKA

Die jamaikanischen Rastafari tragen Haare als Dreads und die Bärte ungestützt als Symbol der Verbundenheit mit Gott und der Natur. Ursprünglich stammt diese Gewohnheit jedoch aus weiter zurückliegenden geschichtlichen Ereignissen. Während der Invasion der Italiener (um 1935) ließen äthiopische Soldaten ihre Haare ungebändigt wachsen, um ihren Protest zur Freilassung ihres Kaisers, Ras Tafari Makonnnen (Haile Selassi), symbolisch zu unterstreichen. Noch heute wird er von den Rastafari als Erlöser (& der "Löwe Judas") verehrt.


INDIEN

Bei meiner Suche bin ich vielleicht doch auf Neuzeit-Rapunzel gestoßen, oder vielleicht eine noch älterer Variante. Bei den Sikh, einer religiösen Gruppierung die überwiegend in Indien lebt, gibt es klare Vorstellungen davon, wie die Haare zu sein haben - nämlich lang und ungeschnitten.


Die Sikh wollten sich von anderen Religionen abheben durch das Ablehnen überschwänglicher Rituale, und sich dennoch durch gewisse Regeln als Gemeinschaft positionieren.

Traditionen im Zusammenhang mit dieser Identifikation sind die 5 K´s - Symbole des Glaubens, die die Ergebenheit zu einem Sikh Guru und zu der geschlechtslosen Schöpferfigur (dem Zentrum ihres Glaubens) ausdrücken.


Das erste "K" ist Kes(h) - gepflegtes und ungeschnittenes Haar. Inzwischen ist es für viele eine Gewohnheit, dieser Tradition zu folgen, und besonders Frauen, die Ihre Haare schneiden, werden von einigen anderen Teilen der Gesellschaft als "unmoralisch und unfeminin" verpöhnt. Wie ihr seht, gibt es auch hier einige vor Allem patriarchisch dominierten Einflüsse - noch mehr Baustellen also.



DEUTSCHLAND

Hier noch eine persönliche Geschichte: Die kleine Tara - also ich, lockiges Haar, hatte als Kind immer die langen schönen Haare von ihrer Mutter gekämmt bekommen. Doch irgendwann musste ich mich selber um das Bändigen meiner Mähne kümmern. Das lief wie folgt: Ich schob das Kämmen solange vor mich hin wie es nur ging und dann entknotete ich meine Locken. Das ging solange gut, bis ich eines Tages einen riesigen Knoten im Nacken hatte. Dann ging es nicht mehr gut und die Haare kamen ab. Es war eine Katastrophe für mich, weil ich mich irgendwie sehr mit meiner Frisur verbunden fühle. Nach diesem Ereignis kümmerte ich mich um meine Haare und beschäftigte mich auch mit Pflegemethoden und Inhaltsstoffen. Das führte mich letztendlich zu Naturkosmetik und zu dem folgenden Infos, die ich mit euch Teilen möchte.


Deshalb, hier ein paar Fakten und Tipps, die bei keinem Haar Post fehlen dürfen.


Haarpflege und Nachhaltigkeit (und Gesundheit)


Habt ihr schonmal bei einem Gulli eine Abbildung mit dem Statement " The Ocean starts here" gesehen? Denn so ist es! Direkt in unserem Abfluss beginnt der Weg unseres Abwassers ins Meer. Und klar, so ein bisschen Shampoo bringt keine Fluss sofort um die Ecke - aber wenn Millionen von Haushalte mit zum Teil mehreren Personen täglich Duschkram hinunterspülen - dann sieht das ganz doch schnell ganz anders aus. Zwei der unnötigsten Inhaltsstoffe möchte ich euch hier vorstellen: Silikone und Lauryl Sulfate.


Silikone = Flüssiges Plastik

Silikone sind Plastik, in flüssiger Form, und enden mit ihren Namen oft auf -con(e) und -xan(e). Sehr nützlich in Fugen, weniger sinnvoll auf unserem Kopf. Sie werden genutzt, um brüchige Haare zu "füllen" und zu ummanteln, aber eigentlich ist der Effekt werden langfristig noch gesund noch nachhaltig.


Die Ummantelung unserer Haare ist zwar eine Art Schutz, gleichzeitig aber auch eine Barriere da keine anderen Wirkstoffe oder auch Haarfarbe nicht mehr eindringen können. Und die meisten sind nicht wasserlöslich, was dazu führt dass die Haare immer mehr Zeug anlagert (das führt auch dazu, dass bei der Nutzung neuer Produkte die Übergangszeit sich in die Länge zieht). Letztendlich werden die Haare spröde oder super fettig.


Wasserlösliche Silikone sind leider auch keine Lösung, sie waschen sich zwar aus dem Haar heraus - aber letztendlich landen auch sie in unserem Abwasser und verunreinigen unsere Natur.

Sulfate = Mieser Schaum

Ich war selber extrem schockiert, als ich erkannt habe, dass der wunderbare Schaum in unseren Reinigungsmitteln eben nur Schaum ist, und nicht ein gesunder indikator für Reinheit. Die Marketing Abteilungen aller Kosmetik Hersteller haben sich vereinigt und diesen sichtbaren Effekt für sich genutzt und wir als Verbraucher setzen nun auf schäumende Zahnpasta, Bodylotion und Shampoos.


Leider sind die am meisten genutzte "Schäumer" alles andere als traumhaft - Sodium Laureth Sulfat oder Sodium Laryl Sulfat etc. sind Tenside, und bei ihrer Aufgabe Dreck Partikel zu entfernen, bauen sie leider auch unsere natürliche und wichtige Hautbarierre ab, weil sie zu aggressiv reinigen.


Wenn sie dann im Abwasser landen, schädigen sie aquatische Lebewesen, nicht sofort, aber mit Millionen von Haushalten, die den ganzen Schaum ausspucken, summiert sich der Effekt über Zeit und inzwischen hat sich das zu einem echten Problem gemausert! Und sogar bei der Herstellung sind einige von ihnen ein richtiger Verpesster, denn hierbei wird giftiges Dioxan erzeugt.


Deshalb sollte man sich nicht irritieren lassen, im wahrsten Sinne des Wortes, und zu anderen Reinigungsmitteln mit sanfteren Tensiden wechseln!



4 nützliche Haar-Tipps für Jedermann/-frau


Und hier noch ein paar Tipps, die schließlich bei keinem Haar Post fehlen dürfen ;)

  • Mythos Shampoo wechseln

Ich habe gelesen, und einige von euch haben es bestimmt bereits gehört, man soll ein Shampoo nicht zu lange verwenden. Dafür gibt es verschiedene Gründe, aber die lauteste Argumentation besagt, das ohne den Wechsel die Haare sich zu sehr an die Wirkstoffe des Pflegemittels gewöhnen. Das stimmt so nicht! Zum einen gewöhnen sich unsere Haare nicht an ein Produkt, aber je nach Inhaltsstoffen sammeln sich diese langfristig an unseren Haaren an und machen sie "träge". Dazu kommt, dass wir sie über das Jahr hinweg verschiedenen Temperaturen, wechselnder Luftfeuchtigkeit und vielleicht auch anderen Einflüssen (wie etwa Haarfarbe) aussetzen. Das die Haare da nicht immer identisch aus der Haarwäsche herauskommen - erklärt sich von selbst. Was allerdings passieren kann, ist dass bei zu häufigem Shampoo-Wechsel der Ph-Wert des Kopfes etwas ins Schwanken kommt und gegebenefalls Probleme macht. Also lieber hochwertigere Produkte ohne Erdöl-INCI länger nutzen.

  • Kämmen - Nass oder Trocken??

Ich selber frage mich das alle paar Jahre aufs neue und diskutiere das auch lebhaft mit Freunden und Bekannten. Die häufigste Meinung ist, die Haare im trockenen Zustand zu kämmen und wenn sie feucht sind, ganz behutsam mit der Bürste umzugehen. Grund hierfür sei eine veränderte Struktur bei Wasserkontakt. Und ich gestehe: mit meinen Locken kämme ich die Haar fast ausschließlich im Nassen Zustand - vielleicht ist es mit diesem Beitrag mal wieder an der Zeit den anderen Weg zu gehen. Bislang hat es mir nicht geschadet.

  • Inhaltsstoffe - DONT USE

Über Silikone und Sodium Laureth Sulfat habe ich euch berichtet. Aber es gibt noch ein paar weitere Inhaltsstoffe in Pflegeprodukten und eben Shampoos, die ihr tunlichst vermeiden dürft, wenn ihr eurem Haar so natürlich und schonend wie möglich entgegen kommen wollt. Weitere "bad guys" wären die 5 P - Parabene (Konservierung), Paraffine (Glanzgeber), Parfüm, Phtalate (Weichmacher) und PEGs (Emulgatoren). Wer sein Leben lieber ohne Erdöl am Kopf bestreiten mag, lässt das ganze Zeug am besten weg.

  • Gute Ernährung - Gute Haare

Es gibt so viele "Superfoods" die dem Haarwachstum, der Stärkung der Wurzeln und der Kopfhaut zugute kommen sollen. Die geläufigsten, die mir bei meiner Recherche über den Weg gelaufen waren sind Nüsse (Omega-3 und Biotin), Beeren (Vitamin C) und Avocados (Vitamin A und E).

Die Zusatz- Empfehlung : GENUG TRINKEN!


Und wer jetzt noch immer auf der Suche nach einem guten Pflege Programm ist: I GOT YOU!

Schau doch mal hier oder schreibe mir auf instagram.



In diesem Sinne - happy Haarpflege- Eure Tara



Ein paar meiner Quellen:

https://howafrica.com/africa-history-black-hair-myths/

https://en.wikipedia.org/wiki/Rastafari#Jah_and_Jesus_of_Nazareth

https://utopia.de/ratgeber/silikone-darum-solltest-du-sie-meiden/

https://www.elisabethgreen.com/sodium-laureth-sulfate/

https://feminisminindia.com/2017/07/24/sikh-women-hair-politics/

https://www.functionofbeauty.com/blog/new/hair-myths/

https://beautytipps.ch/haare-im-nassen-oder-trockenen-zustand-kaemmen/

https://www.vita-nova.de/wissen/themen/ernaehrung/lebensmittelkunde/12-superfoods-fuer-die-haare/


1st Photo by Fenna van Casand on Unsplash

Cover and 2nd Photo : Own Photo made by Julian Ziegler

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