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Natur mal Natur sein lassen

Wir alle kenne sie, besondere Momente in der Natur. Der Mensch ist inzwischen mehr Teil der Zivilisation, als Teil des lebendigen Planeten, der uns umgibt.

Das hat aus meiner Sicht zu zwei Lagern von Menschen geführt:


- Die einen haben sich total von der Natur entfremdet


- Die anderen haben einen Drang zur Natur zurück zu gelangen


Beides hat Konsequenzen, beides ist leider nicht immer gut für unsere Umwelt. Während die Entfremdeten sich nicht darum schweren, dass die Grundlage ihres bequemen Lebens tagtäglich durch schlechte Entscheidungen zerstört und verändert wird; richten die anderen ihre Aufmerksamkeit auf das Generieren von einzigartigen Erlebnissen im Reich der Pflanzen und Tiere. Leider führt auch das zu Konflikten, denn, und das ist recht menschlich, es wird nicht immer auf die Grenzen eingegangen, die das Herz der Natur durchaus hat. Vielen von uns ist ein Stück Feingefühl verloren gegangen, wann das Eindringen in einen einsamen und unberührten Fleck Erde vereinbar ist mit den Bedürfnissen dieses Ortes.


Aber auch an vermeidlichen Hotspots für Naturfreunde, Kreative und Extremsportler gibt es einiges an Reibungsfläche. Angefangen bei der sich stetig entwickelnden Infrastruktur, die dem Business mit dem Grün folgt, über zu unliebsamen Hinterlassenschaften und schlussendlich bis zu dem negativen Einfluss auf Flora und Fauna, den unsere vermeidliche Naturliebe ausübt.


Viele Tiere findet man nur noch in besonders abgelegenen Abschnitten, die schwer zugänglich sind. In meinem Studium wurde dieses Phänomen grob als Edge-Effekt bezeichnet, es bezeichnet die Wirkung, den ein Grenz-Gebietes haben kann, etwa dass der Raum von Tieren gemieden wird, um nicht mit uns Menschen konfrontiert zu werden. Tatsächlich kann der Effekt sich auch positiv auswirken auf Arten die mehr wie ein Habitat zum Leben brauchen, aber das sind dann natürlich die anpassungsfähigen unter ihnen. Ähnliches gibt es bei der ökologischen Bauplanung, bei der zum Beispiel der Störradius von Vögeln zu einem geplanten Baugebiet und -objekt eingeschätzt wird, um der jeweiligen Art genügen Rückzugsraum zu verschaffen.



Nicht jedes Stück Natur will erobert werden, weder zu Land noch zu Wasser, noch in der Luft.

Hierbei sind leider auch weniger invasive Erkundungsmethoden, etwa Flug-Drohnen, SUPs und dergleichen inbegriffen. Ich habe selbst schon erlebt, wie gestresst Tiere auf Menschen und Technologien reagieren können. Und bei meiner Arbeit im Naturschutz muss ich immer wieder mit Menschen, die Verantwortung für die Natur in ihrer Region tragen, diskutieren und auch philosophieren, wie weit wir gehen können und dürfen.


Schließlich kann uns ein Wald nicht sagen wo seine Grenzen liegen, aber er wird es zeigen, ganz langsam und gemächlich, weil er, wie wir, resilient ist. Aber eines Tages trocknet er aus, oder wird durch Schädlinge dahingerafft, oder oder oder… Das Selbe gilt für einen Fluss, einen Strand und eine Bergspitze.


Deshalb ist es unglaublich wichtig, sich im Klaren zu sein, dass die Signale, die wir erhalten, nicht laut sein werden, und erst dann zum Himmel schreien, wenn es fast zu spät ist. Umso wichtiger ist es, seine eigenen Grenzen zu kennen, und ein wenig zu reflektieren. Etwa „ich will keine Menschen in meinem Vorgarten, vielleicht will es ein Bär auch nicht“. Oder „ich möchte nicht verletzt werden, dann ritze ich auch keine Liebesbekundungen in diesen Baum“. Oder „ich will keine Kameraüberwachung in meinem Schlafzimmer, dann mach ich nicht aus Spaß Drohnen-Shots von einem brütenden Adler“.


Nicht alles ist immer falsch und gehört verboten, deshalb ist es so schwer eine Grenze zu ziehen. Und ich will auf keinen Fall sagen, dass wir uns aus der Natur raushalten sollen. Der Kontakt macht uns schließlich empfänglich für den Schutz unserer wunderbaren Blauen Murmel. Einige Monitoring Maßnahmen, ausgeführt von kompetenten Vereinen und Personen zum Beispiel, machen absolut Sinn, um die Grenzen und Bedürfnisse unserer Mitlebewesen zu erforschen. Einige Tiere haben das Leben mit den Menschen erlernt.

Aber vielleicht muss nicht jeder einzelne von uns in die Privatsphäre von Robben, Löwen und co eintreten.


Images: Both made and owned by Author

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