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Wird das Reisen durch Corona nachhaltiger?

Wie wir die aktuelle Situation dazu nutzen können, um unser Reiseverhalten zu verbessern.




Wenn es eine Branche gibt, die von der Pandemie besonders getroffen wurde, dann die Reisebranche! Corona hat das “geschafft”, was sich viele von der Fridays for Future Bewegung und den KlimaaktivistInnen gewünscht hätten: sofortiges politisches Handeln und die Aufmerksamkeit der ganzen Welt. Die Grenzen im Schengen-Raum wurden für 2 Monate dicht gemacht, der Flugverkehr wurde um 90% eingedämmt, Innenstädte, wo sonst Fast Fashion Bekleidungsgeschäfte mit der neuesten Frühjahrs- und Sommerkollektion aufgewartet hätten, waren wie ausgestorben. Auf einmal hört man von Delfinen, die wieder in der Nähe von Venedig gesichtet werden, man sieht Satellitenaufnahmen von China, auf denen man deutlich erkennen kann, wie sich die Luftqualität verbessert hat und Familien verbringen wieder mehr Zeit zusammen. Die große Frage ist also: Wie sieht die Zeit “nach” Corona aus? Was können wir für Learnings annehmen? Welche persönlichen Erkenntnisse möchten wir jetzt nutzen, um achtsamer durchs Leben zu gehen?


Ich hoffe nicht, dass das Reisen nach Corona genauso wird wie vorher.


Ich sehe in Corona nicht nur eine globale Krise, sondern eine überragende Möglichkeit, das, was uns während der Lockdown Zeit auf einmal viel wertvoller erschien, auch danach mit mehr Achtsamkeit zu schätzen. Dazu zähle ich insbesondere auch unser Privileg zu Reisen! Es ist das perfekte Timing, um neue Maßstäbe und Ansprüche an unsere Reisen zu stellen.


Entschleunigung, endlich Zeit für die Dinge, die unser Herz glücklich macht, Natur, frische Luft, zwischenmenschliche Beziehungen und Freude an den kleinen Details des Lebens - wäre es nicht wundervoll, wir würden diese Dinge auch nach Corona schützen?




Wie wir unsere Erfahrungen aus den Herausforderungen der aktuellen Situation dazu nutzen können, um unser Reiseverhalten zu verbessern:


Ich beginne mit dem Aspekt, für den wohl die Meisten am dankbarsten waren bzw. noch sind. Die Erkenntnis, dass Zeit und unsere Gesundheit die höchsten Güter sind! Vielleicht gehörst du auch zu denen, die sich besonders entschleunigt gefühlt haben. Auf einmal hat man wieder richtig Lust bekommen sich Aufgaben zu widmen, die man lange vor sich hergeschoben hat oder die man machen wollte “wenn mal Ruhe da ist”. Wir haben gelernt, dass wir unserer mentalen Gesundheit auch etwas Gutes tun können ohne dafür Tausende Kilometer weit weg zu reisen. Wie wäre es, wenn wir uns vornehmen unsere innere Balance durch Slow Travel oder Reisen im eigenen Land wiederzuerlangen. Sogenannte Microabenteuer sind perfekt, um gezielte innere Bedürfnisse zu beantworten. Aber auch unsere Ernährung spielt eine große Rolle. Sich Zeit zum Selber Kochen nehmen auf Reisen, Koch-Workshops von Einheimischen besuchen, statt große Hotelbuffets oder bekannte Restaurant-Ketten Besuche im Ausland.


Können wir dieses bewusste Wahrnehmen unserer Selbst, das Ausleben unserer ganz eigenen Persönlichkeit, was wir während Corona wieder kennenlernen konnten, nicht auch auf Reisen mehr Bedeutung zumessen? Es würde dazu führen, dass wir statt der Pauschalreise und All Inclusive Club viel individueller und achtsamer reisen würden. Wir könnten uns gegen Massentourismus einsetzen, indem wir beispielsweise keine normalen Reiseführer mehr kaufen. Weil wir erkennen würden, dass diese sowieso nur darauf ausgelegt sind die breite Masse anzusprechen. Aber genau dort geht Individualität schon verloren, wenn wir Spots abhaken, nur weil sie als “Top Sight” erwähnt werden, nur um auf diese typischen Fragen zu antworten “Ja, aber hast du denn auch das und das und das gesehen…?”. Unvergesslich bleiben nicht die Momente, in denen wir anderen nacheifern, sondern solche, die uns in unserem Kern berührt haben. Deshalb möchte ich dich ermutigen, reise so individuell wie möglich!


Wenn du dich fragst, was hast du am ehesten/am meisten vermisst? Dann gehe ich sehr stark davon aus, dass es die echten Connections zu Menschen waren! Es ist einfach was anderes sich im realen Leben auszutauschen oder gemeinsam zu lachen. Ich wünsche mir sehr, dass gerade dieser Punkt auch auf Reisen in unserer Erinnerung aufpoppt. Wenn es um die Debatte geht, dass das Reisen schlecht fürs Klima ist und wir eigentlich weniger reisen müssten, wird oft das Argument angeführt: Aber das Reisen eröffnet unsere Erfahrungshorizonte! Ja, das tut es, aber nur wenn wir es auch wirklich umsetzen. Suche aktiv den Kontakt zu Locals, mache dir bewusst, dass du Gast bist, supporte deren Geschäfte und Dienste. Schau nicht aufs Handy, um nach dem besten Lokal zu suchen, sondern frage einen Fußgänger! Knüpfe am besten schon vor deiner Reise Kontakte mit Menschen, die dort leben, triff dich mit ihnen, schau nach MeetUps, gehe zu Sportkursen dort usw. integriere doch deinen Alltag in der fremden Kultur und freu dich auf Begegnungen mit Menschen, die mit dir auf einer Wellenlänge sind, aber dir ganz neue Sichtweisen schenken können!




Was haben wir während der Quarantäne noch vermisst? Wofür waren wir dankbar? Ich bin mir sicher, dass gerade auch die Natur, das Genießen der frischen Luft draußen einer deiner liebsten Tapetenwechsel war. Und genau diese Wertschätzung können wir als Kompass nehmen, um die Erlebnisse auf unseren Reisen auszuwählen. Wie geht die Unterkunft vor Ort mit dem Thema Nachhaltigkeit um? Welche Umwelt- oder Tierschutzprojekte können wir vor Ort aktiv unterstützen? Sogenannte Clean-Ups (Spaziergänge oder Treffen, bei denen man gemeinsam mit anderen Müll aufsammelt) gibt es an vielen Orten, aber auch Sanctuaries - wenn sie denn wirklich zum Schutze der Tiere geführt werden - freuen sich, wenn man die eigene Hilfe anbietet, z.B. durch Social Media Posts, um Spenden zu sammeln. Wir dürfen aufhören Tiere in Zoo`s oder Tiershows zu besuchen, weil wir selbst wissen, wie es ist für längere Zeit “eingeschlossen” zu sein. Vielleicht ist es auch endlich an der Zeit unsere normale Packliste zu minimieren, uns bewusste Challenges zu stellen, umweltfreundlicher zu Reisen, damit unsere Sätze a là “Ou, ja das könnte ich eigentlich auch mal besser machen…” nicht das gleiche Schicksal erfahren, wie irgendwelche Neujahrsvorsätze. Für mich zum Beispiel gilt: Wenn ich innerhalb von etwa 24 Stunden auch mit einem anderen Verkehrsmittel als mit dem Flugzeug ans Ziel komme, fliege ich nicht! Aber es gibt noch viel weitere Intentionen, die wir uns stellen können. Frage dich, was würde die nachhaltigste, disziplinierteste und beste Version von dir verändern wollen? Und dann hab den Mut es auszuprobieren. Ich finde Corona hat uns schon ganz eindeutig gezeigt, dass es kein Zurück mehr gibt und neue Regeln des Miteinanders von Mensch, Tier und Natur jetzt gelebt werden müssen.


Last, but not least: Wir können nun endlich erkennen, welches Privileg es ist Reisen zu dürfen.


Wenn du etwas ganz Kostbares nutzen darfst, wie würdest du es behandeln? Behutsam, rücksichtsvoll und vielleicht auch mit einer besonderen Intention. Ja, die Reiselockerungen sind seit dem 15. Juni in Kraft getreten, aber können wir es nicht auch als Startschuss sehen künftig Reisewünsche noch mehr zu reflektieren?


Wenn wir anfangen bereits die Anreise als Teil der Reise zu sehen, statt möglichst schnell, möglichst weit zu kommen.


Wenn wir anfangen öfters kleine Auszeiten zu nehmen und zum Beispiel verlängerte Wochenenden zu nutzen, um mit dem Wohnmobil in Nachbarländer zu Reisen, statt den Arbeitsstress im Jahresurlaub in der Ferne auszugleichen.


Wenn wir anfangen unsere ganz persönlichen Reisevisionen als Prioritäten zu nehmen, unsere Reisen entsprechend intensiv zu planen, statt einfach spontan drauflos zu reisen und alles für selbstverständlich zu nehmen.


Ja, dann haben wir dieser Epidemie zumindest diesen Sinn geben können, nachhaltiges Reisen als neuen Maßstab für uns zu setzen und viel mehr Wertschätzung für unsere Reisefreiheit zu empfinden.


Autor: Tracy Krapf (@yourwanderlustvacation)

Deine persönliche Reiseplanerin für

↠individuelle, nachhaltigere, veganfriendly & abenteuerliche Wanderlustreisen

Bilder © Tracy Krapf


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